Vintage Mode und Nachhaltigkeit: Schließt sich das aus?

Vintage Mode und Nachhaltigkeit
Lieblingsmantel. Secondhand-Fund

Momentan schießen die Vintage und Secondhand-Liebhaber wieder aus den Social Media Böden, wie Pilze. Vintage ist der neue Trend. Doch wie sieht es mit Vintage Mode und Nachhaltigkeit aus? Die Generation Z läuft mir in jeder großen Stadt mit Karottenhosen (waren die jemals schick?) Bomberjacke die 3 Nummern zu groß ist und Jute Beutel über den Weg. Und mir wird bewusst: Secondhand, Flohmarkt-Funde und Retro sind wieder In. Slow Fashion ist in aller Munde und Vintage Mode auch. Nachhaltigkeit ist nach wie vor ein wichtiges Thema.

Konsum wird im Vergleich zu meiner Kindheit exponentiell hoch beworben, seit dem es das Internet und vor allem Social Media gibt. Was die Youtuberin oder die Influencer trägt oder im letzten Haul vorgestellt hat, muss man haben. Sonst ist man Out. Gut, die Wege wie man an solche Teile kommt, sind heute um einiges leichter geworden. Werbe-Link anklicken und bestellen, fertig. Und da haben wir schon das Problem, wir schalten ab und bestellen. Frust und Lustkäufe wechseln sich ab. Es ist doch so einfach! Man muss die Couch nicht verlassen oder Kataloge wälzen und das Telefon in die Hand nehmen. 

Deshalb stelle ich mir gerade jetzt als Vintage Bloggerin immer wieder die Frage: „Brauche ich das wirklich?“ Schlägt mein Herz auch noch in einem Vierteljahr dafür oder weiß ich dann schon gar nicht mehr, dass ich das im Schrank hinten liegen habe?  Vintage Mode bedeutet für mich vor allem eins: Meinen Stil gefunden zu haben, Individualität und auch Nachhaltigkeit. Ein Kleid in den 60ern nur einmal zu tragen galt damals noch als Schmach. Außer man war wirklich sehr gut betucht. Da wurde umgenäht, ausgebessert und angepasst. Und vor allem getragen, bis es auseinander fiel. Natürlich kommen wir mit unserer Stangenmode da heute an unsere Grenzen. Manche Stücke halten einem, wenn man Glück hat, gerade einmal eine Saison. 

Ich bin ganz ehrlich: Mein Schrank platzt. Dabei sortiere ich regelmäßig aus. Aber ich bin eben auch ein kleiner Messie. Aussortieren befreit mich zwar ungemein, aber ich kann mich mindestens genauso schwer von Stücken trennen die mir gerade nicht passen. Oder sich mit meiner Haarfarbe beißen (Rot und Pink? Wuahhh). Meine Figur hat sich nach der Geburt verändert und ich habe das Gefühl, dieser Vorgang ist noch lange nicht abgeschlossen. Gerade in solchen Situationen: lieber liegen lassen und in einem halben Jahr/Jahr noch mal anschauen und anprobieren. 

Meine Tipps für nachhaltigen Vintage Stil

Doch wie bekommt man die Kurve zur Nachhaltigkeit, obwohl man Retro und Vintage Mode liebt? Ohne noch mehr zu konsumieren? 

  • Kauft gebraucht – ja das ist auch Konsum, aber immer noch besser wie neu zu kaufen. Es spart Ressourcen und secondhand ist meiner Meinung nach immer die bessere Alternative.
  • Veranstaltet Tausch-Abende: Eure Freundin passt nicht mehr in ihr Lieblingskleid oder es gefällt ihr nicht mehr? Garantiert geht es euch mit manchen Stücken ähnlich. (Auch wenn eure Freundin keine Vintage Liebhaberin ist, Basic Teile wie Blusen oder Shirts kann man wunderbar kombinieren).
  • Wühlt bei Oma in der Truhe, wer weiß was sie noch für Schätze aus ihrer Jugend hat.
  • Macht es selbst! Wenn ihr Nähen könnt: Super! Bessert aus oder verändert oder macht etwas Neues aus altem Stoff. Auch Haarschmuck lässt sich mit ein paar alten Kunstblumen sehr gut selber herstellen.
  • Sortiert euren Schrank aus: Ihr wisst einzelne Stücke mehr zu schätzen, wenn ihr wieder einen Überblick habt. Was die Freundinnen nicht möchten, kann eventuell auch in die Kostümkiste wandern (mein braunes Fellkragen-Oberteil wartet dort noch immer auf seinen Einsatz als Raubkatze).
  • Fragt euch bei jedem Neukauf, ob ihr es wirklich benötigt und schlaft eine Nacht drüber. Ich gebe zu: sehr sehr schwierig, vor allem wenn man ein Bauchmensch ist wie ich.
  • Verabschiedet euch auf Social Media Kanälen von Personen, die euch triggern und immer wieder zum Kaufen anregen. 

Wer neu kauft, kann einiges tun indem er hinterfragt und darauf achtet, wer hinter dem Label steckt. Ist es ein kleiner Shop, ein Familienunternehmen oder jemand der alles alleine auf die Beine stellt? Oder handelt es sich um einen Billig China Shop der schlimmstenfalls noch Designs von ersteren klaut und sie 75% günstiger verkauft? 

Wer mir auf Instagram folgt weiß, meine Kleider und Accessoires tauchen nicht nur einmal auf einem Bild auf. Ich habe diesen Winter 3 Lieblingsmäntel die getragen werden. Ein brauner, ein roter und ein grüner. Ich finde es völlig fehl am Platz euch zu suggerieren, dass man ein Teil nur einmal anhaben darf, damit der Feed stimmig aussieht. Das sollte nicht die Message sein. 

Zu dem Thema habe ich vor Kurzem auch mein erstes Radio Interview beim Deutschlandfunk Nova gegeben, es ist als Podcast hier abrufbar:

Warum wir Vintage Mode lieben oder hassen

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