Hochzeitsbräuche: Tradition in die Moderne holen

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Es gibt zig Bräuche und Traditionen zum Thema Hochzeit. Ich bin ein klein bisschen abergläubisch und möchte einige umsetzen. Bei vielen wusste ich gar nicht den Ursprung oder was sie eigentlich bedeuten, also warum die Recherche nicht gleich für einen neuen Beitrag nutzen? Fangen wir mit dem wohl bekanntesten an, der gleich mehreres umfasst:

„Something old, something new, something borrowed, something blue. And a silver sixpence in your shoe.“

Münze im Brautschuh

„Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues. Und einen Glückspfennig im Schuh.“ So ungefähr die Übersetzung der aus England stammenden Tradition. Heutzutage setzt sie fast jede Braut um.

Eine Sixpence Münze war in England zwischen 1551-1967 eine Silbermünze die den Wert von sechs Pennys hatte. Diese sollte in den linken Schuh der Braut gelegt werden (wie ihr seht hab ich es auf dem Foto gleich mal falsch gemacht und sie in den rechten gelegt^^). Das sollte Wohlstand in die Ehe bringen. Warum es genau der linke Schuhe sein soll, konnte ich leider nicht herausfinden – eventuell weil links das Herz ist? Heutzutage wird ein Penny oder eben ein Glücks-Cent stattdessen verwendet. Da viele es als unbequem empfinden auf einer Münze zu laufen, lassen sich viele Bräute das Geldstück ins Kleid einnähen oder tragen den Cent am Brautstrauß.

Das Neue symbolisiert den Neubeginn bzw. das beginnende Eheleben. Bei mir wird dies entweder das Brautkleid sein oder unsere Ringe (wofür wir uns noch immer nicht für eine Gravur entscheiden konnten, Tipps sind willkommen!).

Die Bedeutung des „Alten“ und „Blauen“ und „Geliehenen“ findet ihr unten.

Etwas Altes / Geliehenes

Vintage Ring: Etwas Altes

Das Alte soll die Verbindung der Familie der Braut und das Leben vor ihrer Ehe symbolisieren. Dies kann beispielsweise ein Familienerbstück wie ein Ring sein oder ein besticktes Taschentuch, ein alter Knopf der Oma. Leider habe ich bisher noch nichts Altes, suche aber noch nach etwas wie Ohrringe oder einem Haar-Accessoire. Auch eine Möglichkeit: Das Kleid der Mutter aufzutragen oder ein Stück des Stoffes von diesem Brautkleid im eigenen Kleid einnähen zu lassen oder eben auch am Strauß.

Das Geliehene, wofür man auch sehr gut einen Ring oder ein Schmuckstück verwenden kann, symbolisiert die Freunde und die Familie der Braut, auf welche sie immer zurückgreifen kann. In der Vergangenheit und Zukunft. Wie wäre es mit etwas Geborgtem der Trauzeugin? Besonders Glück bringt es, wenn diese auch schon glücklich verheiratet ist und mit Schuhen oder anderen Accessoires dienen kann.

Etwas Blaues / Brautschuhversteigerung

Rachel Simpson Mimosa Schuhe

Die Farbe Blau steht für Treue, Loyalität und das Pflichtgefühl. Oft bekommen die Schuhe der Braut den Part des blauen Teils, viele nehmen aber auch ein blaues Strumpfband.

Der Brautschuklau (oder auch die „Brautschuhversteigerung“) ist eine russische Tradition. Dabei wird von einer vorher ausgewählten Gruppe der Schuh der Braut gestohlen und versteigert. Eine nette Idee um die Urlaubskasse des Hochzeitspaars aufzubessern. Am Ende wird der Schuh vom Bräutigam oder Brautvater ausgelöst.

Brautschuhglas

Brautschuhglas

Früher war es Brauch, dass die Braut ihre Schuhe von gesammelten Pfennigen bezahlt. Dies symbolisiert die Sparsamkeit der Braut. Wichtig ist, das heutzutage die Censtücken wirklich gesammelt werden und nicht einfach Scheine umgetauscht werden. Um diesen Brauch in die Moderne zu nehmen, kann man gerne auch größere Münzen wie 1-Cents sammeln. Das hauptsächliche Problem ist allerdings das Bezahlen, denn diese Tradition kommt aus Zeiten wo Schuhe gerade mal zwischen 5-10 Markt gekostet haben. Heute kosten diese locker das Zehnfache. Wie ihr seht habe ich auch etwas gesammelt. Leider erst seit der Verlobung. Ich bezahle auf jeden Fall einen Teil von den Schuhen mit diesen Münzen, werde sie aber vorher bei der Bank umtauschen (denn meine Schuhe werden online bestellt und bezahlt).

Der Tag vor der Hochzeit

Hochzeitsbräuche

Als schlechtes Omen gilt es auch, wenn man den Tag vor der Hochzeit im selben Bett / Zimmer verbringt. Das wird wohl das Schwierigste für mich, dennoch möchten wir es versuchen. Dieser Brauch hängt eng damit zusammen, dass der Bräutigam das Brautkleid nicht vor der Trauung sehen darf. Wer meinen letzten Post über den Brautkleidkauf gelesen hat weiß, dass das mindestens ebenso schwierig war. Aber so steigt die Vorfreude ungemein, wie ich finde und der Überraschungseffekt ist noch größer.

Polterabend

Der Polterabend ist ein sehr alter Brauch, welcher vermutlich noch aus der vorchristlichen Zeit stammt. Das Zerschlagen von Steingut und Porzellan sollte böse Geister vertreiben. Glas darf dabei auf keinem Fall zerschlagen werden, da dies Unglück bringt. Das Brautpaar muss dabei die Scherben gemeinsam zusammenkehren. Viele Paare verzichten heutzutage auf diesen Brauch und setzen stattdessen den Junggesellenabschied/Jungeselinnenabschied um (wir auch!). Dieser Brauch stammt wieder aus England, dabei wird der letzte Abend (meist der Tag vor der Hochzeit) als Single gefeiert. Ich finde ja man sollte das eher auf ein paar Wochen vorm Hochzeitstag ausweiten, damit keine Gefahr zum „Hangover“ an der Hochzeit besteht.

Brautschleier

Der Brautschleier stand ursprünglich für Jungfreulichkeit und war früher der einzig weiße Bestandteil an der Braut. Oft wurde damals in ländlichen Gebieten in der Sonntagsgarderobe geheiratet, meist schwarz. Mitternacht wurde der Schleier abgenommen, da die Braut nun Ehefrau war, oft wird dies heute noch als sogenannter Schleiertanz zelebriert. Alle unverheirateten Damen versuchen dabei der Braut ein Stück des Schleier abzureißen. Diejenige die das größte Stück hat, soll dem Brauch nach als Nächste heiraten. Eine ähnliche Variante stellt der Brautstraußwurf dar. Eine Abwandlung um ebenfalls böse Geister abzuwehren, sind im Übrigen Brautjungfern! Damals glaubte man, dies würde die Geister verwirren, sodass die Braut nicht erkennbar sei.

Schwelle

Ich habe es  Mr. Vintaliciously schon angekündigt: „Du musst mich über die Schwelle tragen!“ Auch hier sind die Gründe mal wieder Geister. Vor denen musste man sich damals auf einer Hochzeit aber wirklich überall fürchten. Diese missgönnen dem Brautpaar ihr Glück im neuen Heim oder Zuhause und verstecken sich deshalb unter der Schwelle der Tür. Der Bräutigam trägt seine Braut über eben diese, damit sie gar nicht erst in Berührung kommt mit den bösen Mächten. Heute gewinnt die Symbolik: Ein gemeinsames Leben beginnt nach der Schwelle.

Blumen

Die Myrte (ein immergrüner Strauch mit kleinen weißen Blüten) galt in der griechischen Mythologie als Pflanze der Göttin der Liebe. Im damaligen Palästina (eine Region im Römischen Reich) trugen die Braut und der Bräutigam bis Ende des 1. Jahrhunderts deshalb einen Kranz aus Myrten und Rosen. Zu uns kam dieser Brauch erst im 16. Jahrhundert, meist trug dabei der Bräutigam anstatt eines Kranzes ein kleines Myrtensträußchen. Die Triebspitzen aus dem Kranz sollte die erste Pflanze für das gemeinsame Heim sein. Gleichzeit kann Myrte auch als Lebensbaum zur Geburt des Kindes gepflanzt werden.

Reis

Reis soll eine kinderreiche Ehe bescheren, indem es nach der Zeremonie über das Brautpaar geworfen wird. Aus moralischen Gründen gilt es bei vielen heute als verpönt, bezüglich des herrschenden Hungers auf der Welt. Anhand von einigen Volkslieder vermutet man, dass damals Nüsse verwendet wurden. Bei vielen Gemeinden und Städten ist es verboten mit Reis zu werfen. Stattdessen wird oft – falls erlaubt – mit Blüten oder Konfetti geworfen. Viele Gäste verwenden auch Seifenblasen, welche Symbol für die Träume und Wünsche sein sollen. Letzte Variante finde ich sehr schön, habe allerdings wirklich Angst vor Flecken auf der Kleidung (wer gute Erfahrungen gemacht hat, kann gerne ein Kommentar hinterlassen!). Auch aufsteigende Helium-Luftballons mit angehängten Wünschen sind eine tolle Alternative.

Ein heidnischer Brauch war auch das Streuen von frischen Blütenblättern der Blumenmädchen. Der Duft sollte die Fruchtbarkeitsgöttinnen anlocken…

Hochzeitstorte

Wer kennt das nicht? Beim Tortenanschnitt gilt: Wer hat die Hand hoben? Derjenige der es schafft, soll angeblich das Sagen bzw. die „Oberhand“ in der Ehe haben. Um die Gleichberichtigung auszudrücken, wird eigentlich darauf geachtet, dass beide das Messer gemeinsam halten und Anschneiden. Davor sollte man sich etwas wünschen, was nicht verraten wird. Nachdem das Tortenstück geschnitten ist, füttert sich das Brautpaar gegenseitig.

 

Ich hoffe ihr seid jetzt nicht erschlagen von so viel Kulturgeschichte.

Habt ihr auch manche Bräuche umgesetzt?