Der Brautkleidkauf und seine Tücken

believe in the magic

 

Da war er pötzlich: Der Tag an dem ich mein Brautkleid aussuchte. So schnell ist es dann auch wieder vorbei. Meine Ansprüche und Vorstellungen waren sehr hoch. Ich träume seit ich ein kleines Mädchen bin von meinem Brautkleid, von dem Moment, wenn man es das erste Mal anprobiert. Dieser Wow-Effekt, der Augenblick in dem man die Begleiterinnen anschaut und allen Tränen in den Augen stehen.

Die Vorbereitungen und Recherchen zum perfekten Brautmoden-Geschäft erwiesen sich bereits als anstrengend. Online-Formulare mit Angaben von Kleidergröße, Vorstellungen, Heiratstermin, Größe, Art der Hochzeit und dem immer wieder aufploppenden Hinweis, dass eine Beratungsgebühr fällig wird. Von 20 bis 70 Euro, je nach Geschäft sollte man einplanen um ein Glas Wasser (oder bei Abschluss des Kaufvertrags auch Sekt) zu bekommen und eventuell ein bisschen ungestört sein zu können. Letzteres war mir besonders wichtig, weshalb ich eine Lounge für mich und meine 3 Begleiterinnen buchte. Zumindest für den ersten Shop, so sagte ich mir, wollte ich die 40 Euro gerne investieren. Erfahrungswerte von Kolleginnen und Bekannten ließen mich nicht unvorbereitet in den Termin gehen. So war ich darauf gefasst angezickt zu werden weil ich mich geschminkt oder Deo benutzt habe, zu viele Kleider anprobieren will oder weil ich einfach viel zu früh dran bin. Zu meiner Überraschung wurde ich weder mit Taschentüchern bei der Anprobe bedeckt noch blöd angeschaut als ich beim 9. Kleid war. Mir war vorher bewusst, dass ich schwierig bin. Nicht weil ich keine Ahnung habe was ich will, sondern weil ich viel zu genau weiß wie das Kleid aussehen soll – in jedem Detail. Das merkte ich schon beim Ausschneiden von Fotos aus Hochzeitszeitschriften oder pinterest-Boards durchwühlen. Schnell stellten wir fest, dieses eine Kleid gibt es nicht. Zumindest nicht für mich, nicht ohne Änderungswünsche oder höheres Budget, sehr hohes Budget. Ich zähle zu den verkappten Romantikerinnen, erst recht was Hochzeit betrifft. Ich muss euch sagen, ich bin fündig geworden – aber ohne Wow Moment und Tränen.

Kennt ihr das, wenn man viele verschiedene Düfte probiert um sein perfektes Parfum zu finden und hinterher gar nicht mehr weiß wie das erste gerochen hat? So ungefähr ist es mit einer Brautkleid-Anprobe. Habe ich vorher laut gelacht wenn mir eine zukünftige Braut erzählte dass sich nach 3 bis 5 Kleidern ihr Kleid gefunden hat, so wurde ich bei meinem Termin sehr kleinlaut. Ernüchterung machte sich nach dem Austausch meiner Vorstellungen breit. „So etwas gäbe es nicht, bzw. nur wenige Modelle und wenn dann erst ab der Kollektion 2016, welche in 2 Monaten erscheint“. Und ich hoffte auf Rabatt aufgrund der alten Kollektion. Aber Rabatt kann man bei dem Wort „Brautkleid“ genauso suchen wie bei allem was mit Hochzeit zu tun hat. Also wusste ich von Anfang an: Es müssen Kompromisse her! Alle Kleider hatten etwas Schönes, aber auch immer mindestens 2 oder 3 Dinge die gar nicht gingen. Sodass mein Kleid eigentlich erst geschneidert werden müsste. Hier nur Brust, da nur Schleppe, und dort nur Tüll oder Glitzer. Und ich sage euch, es gibt wirklich sehr hässliche Kleider. Noch deprimierter war ich, als meine Beraterin mir verkündete, dass sie ihr Kleid nach einer halben Stunde fand. Im Übrigen kauft fast jede Braut in spe immer das erste Kleid im ersten Geschäft. Dennoch war meine Beraterin super. Sie machte mir an den nötigen Stellen Druck, erinnerte mich daran dass es nur mir gefallen müsste und ich nicht immer auf die Reaktion der Begleiterinnen warten sollte. Das fällt schwer, wenn man ohne die beste Shopping-Begleitung (Mr. Vintaliciously) das wohl wichtigste Kleid im Leben aussuchen soll.

Ich darf euch hier leider nicht verraten wie das Kleid aussieht, denn ich wurde fündig (Mr. Vintaliciously liest mit)! Es ist wohl keine Überraschung, dass mein Brautkleid bei meinen 1,63 m gekürzt und ein paar kleine Dinge geändert werden müssen. Accessoires fehlen noch völlig und meine Verkäuferin war schon ganz „freudiger“ Erwartung als ich sagte, dass es bei den Schuhen nicht einfacher wird. Am schwierigsten war tatsächlich für mich im ersten Geschäft direkt zu kaufen und mich gegen das erste Kleid welches ich anprobierte, zu entscheiden. Es war sehr schön und speziell, aber es war unpraktisch. Es passte nicht, weil meine Größe nicht vorrätig war und man hätte nicht mal 2 kg zu- oder abnehmen dürfen. Und man sah auf den ersten Blick nur Dekolleté.

Am Ende hatte ich endlich mal Glück. Mein Kleid ist aus der neuen Kollektion und war genau in meiner Größe da und es war noch jungfräulich, was heißt, dass es vor mir noch keine andere anprobierte. Wenn es mir nicht gepasst hätte, hätte ich durch die Bestelldauer 6 Monate warten müssen. Das hätte nicht mehr gereicht mit Umnäharbeiten.

Ich habe für euch ein paar Tipps zusammengestellt, für alle verträumten zukünftigen Bräute:

  • Glaubt an die Magie!
  • Wenn der Wow-Moment nicht sofort kommt, seid ihr wohl so wie ich. Was aber nicht heißt, dass euer perfektes Kleid nicht trotzdem auf euch wartet.
  • Geht früh genug los, spätestens ein halbes Jahr vorher (besser früher). Ihr wisst nicht, ob ihr in mehrere Geschäfte müsst.
  • Macht vorher Termine aus und lauft nicht auf gut Glück los. Viele Läden sind eng getaktet und können sich nur Zeit für euch nehmen, wenn ihr angemeldet kommt.
  • Lasst euch nicht von Beratungspauschalen abschrecken. Leider gibt es diese fast überall, aber fast immer wird sie verrechnet wenn ihr ein Kleid kauft.
  • Nehmt nicht zu viele Begleitpersonen mit. Viele Köche verderben bekanntlich den Brei, erst recht wenn ihr Bestätigung braucht wie ich. (Oh Gott, ich hätte mich nie alleine für ein Kleid entscheiden können.)
  • Wenn euch ein Kleid gefällt, dann bleibt dabei. Das Bauchgefühl muss stimmen. Sich einzureden noch in viele Geschäfte zu rennen ist sinnvoll, aber nicht immer richtig. Je nach Stil gibt es meist ein paar Designer die in eurer Preisklasse Modelle anbieten und diese bekommt ihr dann auch in anderen Läden.
  • Lasst euch nichts einreden. Praktikabilität ist schön und gut, aber ihr habt das Kleid nur einmal an. Dass ihr euch darin nicht hinlümmeln könnt wie daheim im Jogginganzug, dürfte klar sein. Dennoch solltet ihr zumindest noch Luft bekommen ;)
  • Eine Tatsache die mir unklar war, obwohl ganz logisch: Je heller das Kleid, desto brauner wirkt man. Heißt, man kann auch als blasse Person gut Schneeweiß tragen.
  • Verschlussarten:
    • Wenn ihr wisst dass ihr euer Gewicht ganz sicher halten könnt, ist ein Reißverschluss perfekt. Meist eine günstige Alternative.
    • 5 kg mehr oder weniger bis zur Hochzeit? Kein Problem bei der Schnürung.
    • Knöpfe sind klassisch, aber es dauert sehr lange bis man sie offen bzw. geschlossen hat und die Gefahr dass das Material dazwischen reißt ist sehr hoch, weshalb viele Designer diese Art mit einem Reißverschluss ergänzen.
  • Kauft Accessoires wenn möglich nicht direkt im Brautmoden-Fachgeschäft. Hier kostet alles doppelt so viel und die Gefahr in einen Kaufrausch zu verfallen, ist größer weil man alles direkt aufeinander abstimmen kann.
  • Umänderungskosten: Rechnet einen Puffer ein! Diese Kosten kommen bei vielen Geschäften noch oben drauf und sind nicht im Kaufpreis enthalten. Je nach Änderungswünschen können hier noch mal locker 200 bis 500 Euro zusätzlich auf einen zukommen. Geld könnt ihr sparen, wenn ihr das Kleid bei einem Schneider eures Vertrauens kürzen lasst. Achtet hier aber auf Erfahrung!
  • Kauft bitte keine Kleider im Internet um Geld zu sparen. Oft wird mit geklauten Fotos von echten Designer Kleidern geworben, in Wirklichkeit sind es nur billige Kopien. Falls ihr euch doch dazu entschließt, wägt ab und seid misstrauisch. Denn Seide oder hochwertige Spitze bekommt man bestimmt nicht für 300 Euro.
  • Erschreckt nicht wenn die Beraterin mit Kleidern kommt die 2 Größen kleiner oder größer sind. Je nach Land des Designers fallen die Größen anders aus.
  • Fotos machen: Dürft ihr nicht, außer von dem Kleid was ihr dann tatsächlich kauft. Wenn ihr es dann habt: Löscht das Bild, sonst macht ihr euch nur verrückt! (Ich spreche aus Erfahrung.)
  • Lasst euch keine Kleider bringen die über eurem Budget sind, Liebe kennt zwar keinen Preis – aber das trifft nicht auf Brautkleider zu!

Zurückgehaltene Tränen gab es im Übrigen dann doch noch.

4 Kommentare

  1. Franka sagt:

    Oh! Toller Beitrag. Ich selbst bin zwar noch weit entfernt davon zu heiraten – wer weiß, ob es überhaupt irgendwann mal so weit ist – aber ich kann bei dir absolut mitfühlen. Die Hoffnung, dass die Begleiter in Tränen ausbrechen und man selbst sagt „Ja, ich will dieses Kleid“. Dann die fehlende Begleitung durch den Partner, der sonst immer sein Okay gibt. Die Vorstellungen und das Budget, das zusammen passen muss. Ich bin gespannt auf deine Hochzeitsfotos in wenigen Monaten :)

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