Fotos aus dem Familienfundus

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Da hat meine Oma für mich fleißig Fotos aus den Familien-Fotoalben gesucht. Denn ich liebe alte Bilder, vor allen Dingen mit Geschichte. An jedem Flohmarktstand bleibe ich bei den alten Postkarten und Fotos stehen, doch Mr. Vintaliciously lässt mich nie welche mitnehmen. „Ich häng mir doch nicht fremde Leute in die Wohnung“ – eeehm ja, okay. Dann gibts halt Fotos von der Verwandtschaft.

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Warum Lächeln überwertet war

Hochzeitsbild damals

Lachen galt als unüblich

Am meisten haben es mir Hochzeitsbilder angetan, wer hätte das gedacht? Zum einen wegen der Mode und zum anderen, weil es einfach einen so schönen Moment festhält. Keine Fotoreportagen oder Photobooths – nein, nur ein einziges Bild beim Fotografen im Studio. Ist euch schon mal aufgefallen, dass bei alten Hochzeitsbildern die Personen meistens nicht in die Kamera schauen und fast nie lachen? Dazu gibt es mehrere Theorien. Ein Punkt ist die Technik, die Belichtungszeit war sehr lange (oft von einigen Sekunden bis hin zu Minuten). Niemand konnte so lange still halten und gleichzeitig lächeln. Ein anderer Grund ist einfacher: Es war einfach unüblich. Fotografien sollten das Leben repräsentieren und orientierten sich an der Kunst (Gemälden).

Und so lacht auch meine Verwandtschaft kaum. Auf dem ersten Bild seht ihr meine eine Uroma. Als Mädchen bei ihrer Konfirmation mit Cousine und Freundin. Sind euch die Haarschleifen aufgefallen?

Das zweite Bild ist sie erneut, 1931 bei ihrer Hochzeit. Da konnte man den Bräutigam tatsächlich nur schwer von den restlichen Herren unterscheiden. Die anderen beiden Paare auf dem Bild sind ihre Cousine + Anhang und der Bruder meines Uropas + Anhang.

Leider habe ich beide nicht mehr kennengelernt. Wie gerne hätte ich sie heute zu ihrem Hochzeitstag befragt.

Als die Sträuße noch die Bräute verdeckten

Hochzeitsfoto früher

Das sind die Eltern meines Opas, geheiratet haben sie am 26.12.1936 – an Weihnachten. Kurz vor Kriegsbeginn. Der Brautstrauß ist so riesig, dass man kaum ihr Kleid erkennt. Schleier waren damals Pflicht, da war ich an meiner Hochzeit wohl eine Ausnahme.

Schon 4 Jahre später musste mein Urgroßvater für 5 Jahre an die Front. Er verlor bei einem Großangriff 1942 durch einen Bombensplitter seine linke Hand, aber überlebte. Meine Uroma nahm parallel eine lange beschwerliche Flucht aus dem heutigen Polen auf sich. Auf dem Weg starb das Kind ihrer Freundin und wurde unterwegs begraben, sie kamen bei mehreren Familien unter und sie traf glücklicherweise zufällig ihre Mutter mit Schwester, welche auch durchs Land reisten. Unglaublich was unsere Urgroßeltern damals auf sich nahmen.

Beide konnte ich noch kennenlernen, mein Uropa starb leider bereits als ich 6 Jahre alt war. Meine Urgroßmutter ist sehr alt geworden und verstarb mit 92 Jahren. Sie schrieb mir, nachdem wir umgezogen waren, einige Karten und Briefe in denen sie mir unter anderem von ihrer Vergangenheit erzählte. Von ihrer Zeit als Verkäuferin in einem Spielwarengeschäft (wo sie auch Puppen reparierte) oder ihrer Zeit als Filmvorführerin und Filmkleberin.

Vintage Hochzeitsfoto

Die Tante meiner Oma, Februar 1948 bei ihrer Hochzeit. Ich finde auf diesem Foto sieht man schon stark die  sich ändernde Mode. Die Brautkleider werden fließender und sind nicht mehr so aufgeplustert, der Schleier hat eine hübsche Spitzenbordüre und Handschuhe gehörten zum guten Outfit, auch an der Hochzeit.

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Das Beste zum Schluss: Das älteste Bild, ein Hochzeitsfoto meiner Ur-Urgroßeltern von ca. 1907. Ich finde sie sah sehr vornehm aus. Irgendwie fast adlig. Es wirkt fast wie ein Schnappschuss, wenn man auf die Gesichter achtet. Die Fotografie ist auf Pappe gedruckt und hinten und vorne mit dem Emblem des Fotografen versehen. Noch wahre Kunst und etwas Bleibendes.

 

 

Besitzt ihr auch alte Foto-Fundstücke?

 

 

6 Kommentare

  1. Ginger sagt:

    Hallo,
    ich kann dich sehr gut verstehen.. auch ich liebe alte Fotos, besonders die mit „Kringelrand“ :) Leider gibt es von meiner Familie nicht so viele, aber ich habe auch schon einige auf Flohmärkten erstanden – was es fast noch spannender macht, da man die Menschen nicht kennt und sich fragt, was wohl dahinter stecken könnte. Aber Fotos der eigenen Verwandten sind natürlich die schönsten :) Hüte sie gut.

    Liebe Grüße

    • Fräulein Christin sagt:

      Da hast du Recht, ich hüte sie gut und digitalisiert sind sie ja nun auch schon :) Ich frage mich bei den alten fremden Bildern auch immer wie du wohl auf dem Flohmarkt gelandet sind. LG!

    • Fräulein Christin sagt:

      Liebe Bernadette, oh nein das kannte ich tatsächlich noch nicht. Sowas finde ich ganz toll! Dahinter steckt halt ein riesiger Aufwand, aber es lohnt sich! LG Christin

  2. Helga sagt:

    Hi Christin!
    das ist ja wunderbar, mal einen Eindruck von deinen Ahnen zu bekommen. Wie wertvoll das für einen sein kann, konnte ich letzten Herbst auch erkunden. Meine Großmutter ist gestorben und mit ihr viele Geheimnisse. Mit meiner Mutter zusammen haben wir uns an die Sichtung der Fotos gemacht, um ein Familienalbum zu erstellen. Das Bild von meiner Oma und Opa mach ich besonders gern, da sie einen sehr schönen Haarkranz auf hat. Ich hab es mir gleich unter den Nagel gerissen und ins Wohnzimmer gehängt (und ums Handy, um sie immer bei mir zu haben).

    Schön an deinen Artikeln finde ich immer, dass sie so viele Informationen enthalten! Es ist nie einfach nur: Guck mal, sondern du erklärst auch die Hintergründe. Ich bleibe Fan von dir.

    LG

    • Fräulein Christin sagt:

      Liebe Etuo-Handyhüllen-Shopinhaber, Glückwunsch, ihr habt erfolgreich einen Backlink erzeugt! Eure Art und Weise Kommentare auf sämtlichen themenfremden Blogs mit entsprechenden Schlagwörtern (ich wusste gar nicht, dass man ein Foto an ein Handy hängen kann) zu verteilen, sind einfach nur peinlich. Viele Grüße Christin

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